Was sind Internationale Gemeinden? 

In der Regel meint man damit christliche Gemeinden (oft freikirchlich oder pfingstlich, aber auch römisch-katholische, orthodoxe oder altorientalisch-orthodoxe), die sich aus Migrant:innen zusammensetzen oder Gottesdienste in anderen Sprachen als Deutsch anbieten. In Deutschland gibt es schätzungsweise 2.000 bis 2.500 Internationale Gemeinden, je nach Zählweise und Definition. Eine genaue Zahl ist schwer festzulegen, da viele dieser Gemeinden nicht in offiziellen Registern auftauchen oder unabhängig organisiert sind. 

Im Bereich der EKD und ihrer Landeskirchen hat sich inzwischen der Begriff „Internationale Gemeinde“ durchgesetzt. Zuvor war die Bezeichnung „Gemeinden fremder Sprachen und Herkunft“, später auch „Gemeinden anderer Sprache und Herkunft“ üblich. Wir haben inzwischen gelernt, wie problematisch das „othering“ ist. Es ist rassistisch, Menschen mit Zuwanderungsgeschichte auf ein „Fremdsein“ oder „Anderssein“ festzulegen. Der Begriff „Migrationskirchen“ ist zwar auch nicht unproblematisch, weil er keine Selbstbezeichnung ist, aber er ist insofern hilfreich, als er deutlich macht, dass es in Deutschland Kirchen und Gemeinden gibt, die durch Migration entstanden sind. Der Begriff „Internationale Gemeinden“ ist dagegen eine selbstbewusste und positive Eigenbezeichnung vieler dieser Gemeinden. Internationale Gemeinden sind „international“, weil sich ihre Mitglieder in Deutschland heimisch fühlen und zugleich mit anderen Weltregionen verbunden sind. 

Die meisten evangelischen Gemeinden wurden von Pastoren aus Afrika (vor allem aus Ghana und anderen Ländern West- und Zentralafrikas) und Asien (vor allem aus Korea; auch aus China, Sri Lanka, Vietnam und Indonesien, zunehmend auch aus dem arabischen und persischen Sprachraum) gegründet. Dazu kommen Gemeinden mit Wurzeln in Europa, Nordamerika und Lateinamerika. Einige Gemeinden haben sich so weit internationalisiert, dass sie keiner Herkunftsregion zuzuordnen sind. Viele dieser Gemeinden erwachsen aus privaten Bibel- und Gebetsgruppen. Wenn sie größer werden, bestehen sie oft aus fünfzig bis hundertfünfzig Personen, andere aus mehreren hundert Personen. Durch Abschiebungen, Mobilität und Gemeindewechsel schwankt die Zahl der Gemeindeglieder. Viele Pastoren können von ihrer Gemeinde nicht finanziert werden und verdienen ihr Geld in anderen Berufen. 

Theologie und Frömmigkeit dieser Gemeinden spiegeln die ganze Breite des globalen Protestantismus. Internationale Gemeinden bilden eine geistliche und soziokulturelle Heimat für ihre Mitglieder, die oft ohne Familie und soziale Netzwerke in Deutschland leben. Diese finden in den Gemeinden emotional sichere Räume, in denen sie Kräfte sammeln für die Anforderungen und Diskriminierungen als Zugewanderte. Die Gemeindeglieder unterstützen sich gegenseitig in schwierigen Lebenslagen seelsorglich, sozial und praktisch. Ein lebensnaher Glaube, Gottesdienste in einer vertrauten Sprache und Spiritualität sowie das Teilen gemeinsamer Erfahrungen stärken in den Freuden und Krisen des Alltags. Immer mehr internationale Gemeinden sehen sich als Brückenbauer und wollen auch ihrem Aufnahmeland dienen. Sie bieten zum Beispiel Hausaufgabenhilfe an oder engagieren sich für Benachteiligte in der Nachbarschaft. Viele unterstützen außerdem Entwicklungsprojekte in ihren Herkunftsländern. Internationale Gemeinden leisten einen oft übersehenen kirchlichen und gesellschaftlichen Beitrag. Hier geht es zur Broschüre “Internationale Gemeinden” des Zentrums Oekumene der EKHN und EKKW mit weiteren Informationen.